Berlepsch-Valendas, Hans von

Hans von Berlepsch-Valendas 1890-1939

Mitgründer der “schweizerischen akademischen Freischar” und des (Berner) “Neuwerkbundes”.

Hans von Berlepsch-Valendas, ein Sohn des bekannten Malers und Jugendstilarchitekten Hans Karl Eduard von Berlepsch-Valendas (1849-1921) wurde 1890 geboren. Er schloss sich vor dem ersten Weltkrieg dem Schweizer Wandervogel an. 1912 wurden er, damals Student der Rechtswissenschaft in Bern, und der Medizinstudent Hans Peter Jäger aus Zürich Mitglieder der Deutschen Akademischen Freischar München. Kurz nach Pfingsten 1913 gründeten sie die Freischaren in Bern und Zürich und förderten die Gründung einer solchen an der Universität Basel (über die allerdings Dokumente fehlen). Alle drei Gruppen schlossen sich zur Schweizerischen Akademischen Freischar zusammen und traten in nähere Verbindung zum deutschen Verband.

Die Schweizerische Akademische Freischar wollte, so schreibt Fritz Baumann in seiner Geschichte des Schweizer Wandervogels, “eine Erziehungsgemeinschaft von Studenten sein, die an eine Förderung der Menschheitsentwicklung durch menschliche Arbeit glaubt und welche entsprechend ihren Kräften für alle Bestrebungen eintritt, die eine Besserung der menschlichen Lebensbedingungen auf körperlichem, geistigem und sozialem Gebiet bezwecken. [...] Sie wandte sich an alle Kommilitonen, die bereit waren, zur Erneuerung des studentischen Lebens beizutragen.” Die akademische Freischar sollte ihre Mitglieder äusserlich “so oft wie möglich” zusammenführen: “Zu den Fahrten am Sonntag, mindestens einmal wöchentlich zum Turnen und Körperspiel, zu gemeinsamem Essen und zu einem geselligen Abend, an dem vorgelesen, vorgetragen und diskutiert wurde.”

Während des Ersten Weltkrieges wandte von Berlepsch-Valendas sich immer mehr sozialen Problemen zu, und die Freischar Bern begann eng mit dem von August Forel gegründeten “Orden für Ethik und Kultur” zusammenzuarbeiten.

Nachdem einige Mitglieder der Berner Freischar in den Bann des “Panideals” von Rudolf Maria Holzapfel geraten waren, und die Freischar sich als Gruppe aufgelöst hatte, gründete von Berlepsch-Valendas mit seinen Freunden das “Neuwerk, Bund für Wesensforschung und Gemeinschaftsaufbau”. Das “Neuwerk” verstand sich nicht zuletzt als Alternative zu den damals auch in der Schweiz aktuell werdenden, von Berlepsch-Valendas jedoch als zu oberflächlich empfundenen Volkshochschulen: “Wichtiger als der Aufruf an Viele zur blossen Wissensvermittlung”, so Baumann über den Standpunkt des “Neuwerks”, “sei die Sammlung Weniger, die mit voller menschlicher Hingabe sich in bestimmte, bedeutsame Lebensprobleme vertieften und sich Einsichten erarbeiteten, die ihrem Leben erhöhten Gehalt und ihnen wertvolle Ausstrahlungskraft verleihen würden.” Man bildete deshalb Arbeitsgruppen, die sich, “an Winterabenden und in sommerlichen Ferienkursen in Fragen der Soziologie, der Literatur, insbesondere der Gotthelfschen Dichtung, der Naturwissenschaften, vor allem der Lehre vom Menschen, vertieften.”

Diese Bildungsarbeit führte zu Beginn der 1920er Jahre zur Gründung der Turbachtaler Heimatwochen, an denen auch Fritz Wartenweiler regelmässig mitwirkte und die im Turbachtal bis in die 1950er Jahre durchgeführt wurden.

Von Berlepsch-Valendas scheint die Schweiz Anfang oder Mitte der 1920er Jahre verlassen und während einiger Zeit in der Leipziger Volkshochschule mitgearbeitet zu haben, ehe er zu Beginn der 1930er Jahre als “Lehrer für Sozialwissenschaft” an Emil Blums Habertshof ging und diesen 1932 während eines Jahres leitete. Nach seinem Weggang war das “Neuwerk” rasch zerfallen bzw. in anderen Projekten aufgegangen. Von Berlepsch-Valendas kehrte nach der Machtergreifung der Nazis in die Schweiz zurück, wo er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1939 als Journalist arbeitete.

Martin Naef


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Letzte Änderung: 15. April 2012