Fischer-Dückelmann, Anna

Anna Clara Theresia Fischer-Dückelmann, * 5. oder 7. Juli 1856 in Wadowice (Galizien), † 5. November oder 13. Dezember 1917 in Ascona, Ärztin.

Anna Fischer-Dückelmann war die Tochter des österreichischen Militärarztes Friedrich Dückelmann. In Wien, wo sie ihre Jugendzeit verbrachte, lernte sie Arnold Fischer kennen, den sie 1896 in Graz heiratete. Zusammen zogen sie nach Frankfurt, wo Arnold Fischer als Redakteur beim Frankfurter Tageblatt arbeitete. Ab 1880 war sie Herausgeberin der Zeitschrift Volkswohl in Frankfurt/Main. 1890 zog sie mit ihrem Mann und den drei Kindern nach Zürich, um Medizin zu studieren. 1896 promovierte sie in Zürich mit der Dissertation Die vom April 1888 bis Januar 1895 in der Zürcher Frauenklinik beobachteten Fälle von Puerperalfieber. 1896 war sie Assistenzärztin in Bilz’schen Naturheilanstalt in Radebeul, im Oktober deselben Jahres eröffenete sie eine Praxis in Dresden, Von 1897 bis 1914 führte sie eine Arztpraxis für Frauen- und Kinderheilkunde in Loschwitz bei Dresden. 1913 erwarb sie ein Grundstück auf dem Monte Verità, auf dem sie nach dem Krieg ein Sanatorium errichten wollte.

Etwas anders stellt Robert Landmann die Ereignisse auf dem Monte Verità dar: Man sei übereingekommen, Anna Fischer-Dückelmann, die Mitarbeiterin und Freundin von Ida Hofmann und Henri Oedenkoven war, die wirtschaftliche Leitung des Sanatoriums zu übertragen.1 Er führt dazu aus:

In erster Linie galt es, die wachsende Unzufriedenheit der Gäste zu beseitigen. Es hatten sich Klagen angehäuft über die Bevormundung der Sanatoriumsbesucher und die unzulängliche Verpflegung. Die ausschliessliche Rohkost, das Essen aus der Tüte und die Oedenkovenschen Verordnungen waren schon lange nicht mehr nach dem Geschmack des zahlungskräftigen Publikums. Frau Fischer-Dückelmann räumte mit allen unbeliebten Einrichtungen auf. Vor allem ließ sie richtiges Restaurationsessen kochen. Es wurde an normal gedeckten Tischen serviert, sodass die anspruchsvollen Gäste es nicht mehr nötig hatten, dem bisherigen Brauch entsprechend die gesunde, aber uninteressante Schmalkost einsam in ihrem Zimmer zu verzehren. Die Reformkleidung wurde kaum noch getragen.

Da es sich bald gezeigt habe, dass auch die Tätigkeit der “energischen Arztin” nicht den gewünschten Aufschwung brachte, habe sie enttäuscht den Monte Verità verlassen.

Merkwürdigerweise findet sich in Harald Szeemanns Katalogbuch Monte Verità. Berg der Wahrheit. Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie (Civitanova Marche und Tegna, Milano 1978) kein Hinweis auf Anna Fischer-Dückelmann.

Um 1915 praktizierte Anna Fischer-Dückelmann in den Sommermonaten im Goszmannschen Sanatorium auf der Wilhemshöhe in Kassel und im Winter in Ascona. Nach ihrem Tod vollendete ihre Tochter Elsa von Golfieri das, was sie als die unvollendenten Werke ihrer Mutter bezeichnete.

  1. Robert Landmann: Ascona – Monte Verità. Auf der Suche nach dem Paradies. Von Ursula Wiese überarbeitete und ergänzte Ausgabe, unter Mitarbeit von Doris Hasenfratz. Neu herausgegeben mit einem Nachwort versehen von Martin Dreyfuss. Frauenfeld, Stuttgart, Wien 2000. S. 142 f. []

Hinweise auf Quellen, Veröffentlichungen einer Person, Literatur und Links sind nur Mitgliedern zugänglich. Zudem wird bei einer Mitgliedschaft keine Werbung eingeblendet. Der Mitgliederbeitrag beträgt einmalig CHF 5.00.

Zur Registrierung.




Letzte Änderung: 15. April 2012