Gusto Gräser (eigentl. Gustav Arthur Gräser), * 16. Februar 1879 in Kronstadt, Siebenbürgen, † 27. Oktober 1958 in Freimann bei München.
Gräsers Vater war Bezirksrichter. 1895 musste er das Gymnasium verlassen. In Budapest begann er eine Lehre bei einem Goldschmied und Kunstschlosser, die er nach einigen Wochen abbrach. Eine von Gräser eingesandte Schnitzarbeit erhielt 1896 einen ersten Preis bei der Weltausstellung in Budapest zur Jahrtausendfeier der Stadt. In Wien besuchte er die Kunstgewerbeschule. 1898 gründete sein älterer Bruder Karl in Galizien eine Gemeinschaft, die sich “Ohne Zwang” nannte. 1899 zerstörte er seine Bilder und begab sich auf Wanderschaft.
1900 sammelten sich in München um die Gebrüder Gräser sieben junge Menschen, die aus der bestehenden Gesellschaft ausbrechen wollten. Es folgten eine gemeinsame Wanderung über die Alpen und Ansiedlung auf dem Monte Verita bei Ascona. 1901 war Gräser in Paris mit Raymond Duncan, im selben Jahr fand die erste Begegnung mit Hermann Hesse statt. 1902 verweigerte er den Militärdienst und er wurde zu einer einjährige Kerkerhaft in Österreich verurteilt. Die Tessiner Gemeinde Losone überliess ihm die Höhle von Arcegno. 1907 wanderte Gräser mit Freunden quer durch Europa. Hesse schloss sich ihm an, wanderte über die Alpen und verbrachte einige Wochen in und bei der Höhle von Arcegno. Im selben Jahr trat Gräser in München mit Gedichten, Tänzen und Vorträgen an die Öffentlichkeit. 1908 lebte er in einer freien Ehe mit Elisabeth Dörr und wurde Pflegevater von 5 Kindern aus der ersten Ehe seiner Frau. Freundschaft mit Hans Thoma. Im April 1909 war Gräser in Wien, im Juni in Weimar bei Johannes Schlaf. In Locarno hielt er Vorträge.
1910 war er in München, wo er im “Simplizissimus” auftrat. Ab 1911 zog er mit Frau und Kind im Wohnwagen durch Deutschland. 1912 wurde er aus Sachsen ausgewiesen. An dem Protest dagegen beteiligten sich Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann, Ferdinand Avenarius, Max Klinger, Friedrich Naumann, Hans Thoma und Johannes Schlaf. 1913 hielt er Vorträge in Karlsruhe und Mannheim, wurde dann aber aus Baden ausgewiesen und war seit Mai in Stuttgart, wo er allsonntäglich Reden im Bopserwald hielt sowie einen TAO-Vortrag in der Liederhalle. Im Herbst 1915 wurde Gräser aus Deutschland ausgewiesen, in Budapest als Spion verhaftet und aus Siebenbürgen abgewiesen. 1916 bis 1918 war wieder auf dem Monte Verità, wo er das Haus seines Bruders bewohnte. Im Herbst 1916 begegnete er wieder Hermann Hesse. In Zürich und Bern hielt er Vorträge. 1918 wurde Gräser auch aus der Schweiz ausgewiesen. 1919 war er in München bei Georg Schrimpf und Oskar Maria Graf, wurde aber nach dem Sieg der Weissen verhaftet und ausgewiesen.
1920 hielt er Vorträge in Freiburg und besuchte Hans Thoma, wurde aber wiederum aus Baden ausgewiesen. 1926 wurde er in München verhaftet und aus Bayern sowie dem ganzen Deutschen Reich ausgewiesen. Die Ausweisung aus dem Reich konnte abgewendet werden durch das Eintreten von Michael Georg Conrad, Hermann Bahr, Rudolf von Delius, Ludwig Held, Thomas Mann, Josef Ponton und Norbert Stern. 1927/28 hielt er Vorträge in Berlin. 1929 nahm er am Vagabundenkongress in Stuttgart teil.
1935 bis 1940 lebte er in Berlin und bewohnte ein Hausboot auf dem Langen See. 1940 wurde er verhaftet und erhielt von den Nationalsozialisten ein Schreibverbot. Nachdem er sein Boot verkauft hatte, wanderte er über Leipzig nach München.
Ab 1942 lebte er in München, wo er in Dachkammern bei den Professoren Schwegerle, Dombart und Buschor wohnte. Täglich arbeitete er in der Staatsbibliothek und im Cafe Klein-Bukarest.
Die Biographie folgt weitgehend derjenigen der Website “Gusto Gräser”.
Veröffentlichungen: Tao. Das heilende Geheimnis. Hrsg. von Hermann Müller. Recklinghausen – Erdsternzeit. Hrsg. von Hermann Müller. Recklinghausen 2007.
Literatur: Hermann Müller: Monte Gioia. Der Monte Verità von Gusto Gräser. In: Sinnsuche und Sonnenbad. Experimente in Kunst und Leben auf dem Monte Verità. Hrsg. von Andreas Schwab und Claudia Lafranchi. Zürich 2002. – Hermann Müller: Gusto Gräser. Aus Leben und Werk. Bruchstücke einer Biographie. Knittlingen 1987. – Ulrich Linse, Hagen Schulze: Barfüssige Propheten. Erlöser der zwanziger Jahre. Berlin 1983. – Ulrich Linse: Wanderpropheten der Zwanziger Jahre. In: Wohnsitz Nirgendwo. Vom Leben und Überleben auf der Strasse. Berlin 1982, S.191-208. – Hermann Müller: Der Dichter und sein Guru. Hermann Hesse – Gusto Gräser eine Freundschaft. Wetzlar 1978.
Ausstellung
Ein Prophet aus Siebenbürgen. Gusto Gräser und der Monte Verità von Ascona. Haus des Deutschen Ostens, München. 24. Oktober bis 19. Dezember 2008.
Film
Der Eremit vom Monte Verità. Gusto Gräser – Naturmensch und Philosoph. Dokumentation von Christoph Kühn mit Herman Müller, Jörg Rasche, Heidi Christeller-Gräser und Julius Kirchner. Erstausstrahlung: 3sat, 31. August 2006.
Links
Gusto Gräser, Website von Herrmann Müller, Verwalter und Herausgeber des Nachlasses von Gusto Gräser.
Gusto Gräser, Eintrag in der Datenbank zum literarischen Bayern.


