Nina Hard (eigentl. Nina Engelhardt), 1899 in Brasilien, 1971, 1972 oder 1975 im Tessin, Tänzerin.
Nina Hard, Tochter des deutschen Botschafters in Brasilien und Kaffeeplantagenbesitzer, kam 1919 zur Tanzausbildung nach Deutschland. In Berlin lernte sie die Diseuse und Schauspielerin Margo Lion kennen und ihren Mann Marcellus Schiffer.
Im Mai 1921 lernte sie in einem Lokal in Zürich, wo sie als Tänzerin arbeitete, den 19 Jahre älteren Ernst Ludwig Kirchner kennen. Ende Mai oder Anfang Juni kam sie nach Frauenkirch bei Davos, worüber Kirchners Frau Erna offenbar nicht sehr begeistert war. In einem Brief schrieb Helene Spengler Mitte Mai an Eberhard Griesebach: “Kirchner war 3 Tage in Zürich, er kam heute zurück, strahlend, weil er dort eine Tänzerin gefunden hat, die ihm tausend Ideen für Bilder gab. Frau Kirchner war gerade hier, als er kam und war minder begeistert über den Fund. Er will nächste Woche nochmals hinunter, weil ihr Engagement bald abläuft. Er hätte sie gerne als Gast, aber noch ist seine Souleika völlig abgeneigt.” (Davoser Werke, S. 15)
Im Juni desselben Jahres schickte Kirchner Erna nach Berlin, wo sie sich um sein Atelier kümmern sollte. In dieser Zeit stand Nina Hard, die teilweise bei Kirchner wohnte, für zahlreiche Arbeiten Modell. Nach ihrer Rückkehr aus Berlin fand sich Erna offensichtlich mit der Situation ab. Jedenfalls machte Kirchner eine Reihe von Zeichnungen und Fotos, die Nina Hard und Erna zusammen nackt im Tobel des Sutzibachs zeigen. Kirchner organisierte für Nina Hard einen Tanzabend, der am 24. September im Foyer der Zürcher Heilstätte in Clavadel/Davos stattfand. Anfang Oktober reiste sie nach Berlin zurück. In einem Brief schrieb Kirchner im Oktober 1921 an seine einzige Schülerin Nele van de Velde über die Sommermonate: “Wir hatten eine junge Tänzerin zu Besuch da. … Ich hätte schon gewünscht, Sie wären hier gewesen, um nach ihr zu zeichnen. Sie hat einen sehr schön gewachsenen Körper. In dem wilden Tobel, wo ich letztes Jahr mit Ihnen war, haben meine Frau und N. H. sich gesonnt, da konnte ich manches Interessante zeichnen. Die beiden Körper passten sehr fein zueinander, so hatte ich wieder einmal Gelegenheit, das lang entbehrte Studium des Nackten in freier Natur wieder aufzunehmen. Auch im Walde hinter dem Alphäuschen und in den Räumen ergaben sich schöne Sachen.” (Katalog, S. 266)
1922 heiratete Nina Hard den Regisseur, Schauspieler, Komponisten und Schriftsteller Robert Forster-Larrinaga (1880-1932), später Magnus Henning, den Komponisten und Pianisten von Erika Manns Kabarett “Die Pfeffermühle”. Im Sommer 1933 besuchte Nina Hard Kirchner noch einmal, der jedoch offenbar nichts mit ihr anzufangen wusste. Im selben Jahr kehrte sie nach Brasilien zurück.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie mit ihren beiden Kindern im Tessin und in Italien.
Ein umfangreicher Briefwechsel mit ihrer Freundin, der Lyrikerin, Dichterin und Malerin Paula Ludwig, aus den Jahren 1929 bis 1969 befindet sich im Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz.
