Max Oettli, * 1879, † 1965, Botaniker, Naturkundelehrer im Landschulheim Glarisegg, zuerst Mitarbeiter, dann Leiter der Schweizerischen Zentralstelle zur Bekämpfung des Alkoholismus in Lausanne von 1922 bis 1946, aktiver Abstinent und Tabakgegner.
Max Oettlis Vater war Verwalter der Zwangsarbeitanstalt Kalchrain. Nach seinem frühen Tod zog die Familie nach St. Gallen, wo Oettli die Schulen bis zur Matur besuchte. Er wurde Mitglied in der abstinenten Schülerverbindung. In Zürich studierte er am Polytechnikum (ETH) u.a. beim Geologen Albert Heim und beim Botaniker Carl Schröter (1855-1939). Als Botaniker arbeitete er in den Churfirsten und im Säntisgebirge. Am Schweizer Landerziehungsheim Glarisegg unterrichte Oettli Naturwissenschaften. Zu seiner Zeit tätig waren dort u. a. Otto von Greyerz (ab 1916 Professor an der Universität Bern) und als Schulärztin Natalie Kirpitschnikowa (* in Charkow), Oettlis erste Frau (Glarisegg ist im Internet vor allem bekannt durch die Schüler Friedrich Glauser, “ins L. G. gesteckt, dann Rausschmiss”, und C. J. Burckhardt).
Oettli war zuerst Mitarbeiter (1921/22), dann Leiter der Schweizerischen Zentralstelle zur Bekämpfung des Alkoholismus (SAS) in Lausanne. Er leitete die Stelle 1922 bis 1946 durch die auch finanziell sehr schwierige Krisen- und Kriegszeit. Unter ihm betonte die SAS die naturwissenschaftlichen Aspekte der Alkoholfrage, besonders die alkoholfreie Verwertung der Früchte. Es war die Pionierzeit der Süssmost-Produktion (“Die Zeitschrift Die Freiheit trieft von Süssmost.”). Grosser Wert wurde auf die Lehrerbildung und die schulische Arbeit gelegt. Aber auch politisch war die SAS zu seiner Zeit sehr aktiv. Hier seien nur die Volksabstimmungen erwähnt: 1921 wird Zentralstelle Sekretariat für die “Gemeindebestimmungsrechts-Initiative”, welche eine lokale “Prohibition” (local option) für gebrannte Wasser ermöglichen wollte, 1923 wird die vom Parlament verabschiedete Revisionsvorlage, welche die Alkoholgesetzgebung auch auf das Brennen von Obst ausdehnen wollte, vom Volke verworfen, 1929 wird die Initiative für das Gemeindebestimmungsrecht vom Volk abgelehnt, 1930 nimmt das Volk eine verbesserte Revisionsvorlage an, die alle Spirituosen erfasste, 1939 Sekretariat des Komitees gegen die Reval-Initiative, welche die Revision von 1930 abschaffen wollte, setzt sich die Zentralstelle für die Obstverwertung ohne Brennen und die Beibehaltung der bisherigen Alkoholordnung ein, was 1940 von Volk und Ständen in einer Abstimmung bestätigt wird. Nach der Pensionierung zog Oettli nach Glarisegg zurück, wo er u.a. die “Vereinigung zur Aufklärung über die Tabakgefahren” gründete, die einen Pressedienst mit dem Titel “Rauchen?” herausgab.
Politisch aktiv war seine Tochter Marie-Louise (Mascha) Oettli (1908-1997). Nach der Matur war sie Schülerin des Landerziehungsheims Walkemühle (Hessen) und Mitglied des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes. An der Landwirtschaftlichen Hochschule in Bonn schloss sie als Diplomlandwirtin mit der Arbeit Verschuldung der schweizerischen Landwirtschaft ab. Wegen Widerstandsarbeit gegen den Nationalsozialismus denunziert, kehrte sie in die Schweiz zurück. Sie arbeitete im VPOD, für den VHTL und für den Schweizerischen Landfrauen-Verband. 1952 wurde Mascha Oettli Zentralsekretärin der SPS.
Edi Muster und Edi Goetschel
