Carl Weidemeyer (auch Carlo Weidemeyer, Carl Weidemeyer-Worpswede), * 21. Mai 1882 in Bremen, † 10. April 1976 in Ascona, Architekt, Maler und Grafiker.
Weidemeyer besuchte von 1899 bis 1901 die Baugewerbeschule in Bremen und arbeitet danach in einem Architektur-Büro. 1905 liess er sich in Worpswede nieder, wo er sich autodidaktisch zum Maler ausbildete. Von 1907 an war er als Buchillustrator tätig. In zahlreichen Auflagen bis heute aufgelegt wurde die Ausgabe Die Blümlein des heiligen Franziskus von Assisi, erstmals 1911 im Insel-Verlag erschienen, für die Weidemeyer die Intialen zeichnete. Daneben entwarf Weidemeyer Kinderspielzeug. Von 1920 bis 1922 führt er in Bremen die Galerie Kunstgemeinschaft, die er zusammen mit einem Freund gegründet hatte. 1927 übersiedelte er nach Ascona, wo er für die Tänzerin Charlotte Bara das Teatro San Materno baute. Im Anschluss an das Teatro San Materno entstanden in Ascona die Häuser Haas, Fontanelle und Tutsch (1928), gefolgt vom Ausbau des Hauses Schönenwald (1929), den Häusern Rocca Vispa (1930), Andrea Cristoforo (1931), Benvenuto und der Villa Chiara (1936). Bis auf die Villa Chiara existieren sie heute nicht mehr oder wurden bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Aus wirtschaftlichen Gründen gab Weidemeyer 1937 die Architektur auf. Er arbeitete an einem Marionetten-Theater mit und entwarf Möbel. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete sich Weidemeyer ausschliesslich der Malerei. 1995 erwarb die Gemeinde Ascona seinen Nachlass.
Buch-Ausstattung: Brüder Grimm: Die Märchen. Leipzig 1924. – Die Blümlein des heiligen Franziskus von Assisi. Aus dem italienischen der Ausgabe der Tipografia Merastasio, Assisi 1901, unter Berücksichtigung der besten Texte übertragen von Rudolf G. Binding. Die Initialien zeichnete Carl Weidemeyer – Worpswede. Leipzig 1911. – Wilhelm Hauff’s Märchen. Vollständige Ausgabe. Leipzig 1911. – Hans Christian Andersen: Märchen. Leipzig 1909.
Literatur: Letizia Tedeschi: Ein Theater für den Tanz. Die Begegnung zwischen Charlotte Bara und Carl Weidemeyer. In: Sinnsuche und Sonnenbad. Experimente in Kunst und Leben auf dem Monte Verità. Hrsg. von Andreas Schwab und Claudia Lafranchi.Zürich 2002. – Bruno Maurer, Letizia Tedeschi (Hrsg.): Carl Weidemeyer 1882-1976. Künstler und Architekt zwischen Worpswede und Ascona. Mailand 2001. – Letizia Tedeschi: Archivi e Architetture. Presenze nel Cantone Ticino. Archivio del Moderno. Mendrisio 1998.
Link: Carlo Weidemeyer, Eintrag bei SIKART.

